Mamatier und Freundin

Mein Mamasein hat meine Freundschaften gestärkt, sie verändert. Es kommen wunderbar neue hinzu oder es gehen welche ganz und gar verloren.

Dass sich mit einem (oder auch zwei) Kind(ern) das eigene Leben rasant verändert und man sich selbst mit, kann nicht nur für die Freunde befremdlich sein, sondern auch erst einmal für einen selbst. Freie Zeit nimmt ab und andere Interessen und Prioritäten nehmen zu. Und während man sich in seiner Mama-Rolle so richtig findet, darin aufgeht und so wohl dabei fühlt, wird der Freundeskreis fast unbemerkt umgewälzt.

Es gibt sie aber natürlich, die Freundschaften, die schon mehr als mein halbes Leben bestehen, die für mich unheimlich wertvoll sind. Der Freundschaftsfels in der Brandung sozusagen. Hier spielt es nach Tagen des sich-nicht-Hörens genau das keine Rolle, weil wir gegenseitig gut genug wissen, dass der Alltag ein Schelm sein kann. Wir sind zusammen gewachsen, haben erst so viel vom Familienglück gesprochen und stecken nun beide mit vollem Herzen mittendrin. Uns trennen in einem Falle viele Kilometer, was unserer tiefen Freundschaft aber nie einen Abbruch tut. Wenn ich unsere alten Fotos anschaue, sehe ich zwei kleine verschmitzt dreinblickende Mädchen, etwas älter als unsere Töchter gerade, aber mit derselben Leichtigkeit und Neugierde im Blick wie die beiden heute. Und ich wünsche meinem Tochterkind von Herzen eine solch tolle Freundin an ihrer Seite.

Die Freundschaften, die sich zwischen Schwangerschaftsyoga, Spielplatz und Kindergarten entwickeln, sind für mich wunderbar bereichernd. Nicht nur unserer Kinder wegen, sondern weil wir Mamas uns, neben Sandburgen bauen, Schürfwunden verpflastern und Brezeln schmieren, auch um einander kümmern. Weil wir den Mama-Alltag teilen, uns verstehen, beratschlagen und aufmuntern, aber auch ohne unsere Kinder im Schlepptau ganz wunderbar harmonieren. So habe ich wirklich zauberhafte neue Gefährtinnen gefunden, mit denen ich mich pudelwohl fühle. Eine ist sogar zu einer wahren Freundin geworden.

Aber es gibt auch sie, die Freundschaft, die sich still und heimlich aus dem Staub gemacht hat. Und dann findet man nach Wochen oder Monaten des Schweigens einfach keinen Ansatz mehr. Hat keinen Mut es anzusprechen. Um diese Freundschaft trauere ich. Weil wir uns schon von der Uni kennen und dort und auch später eine wahnsinnig tolle gemeinsame Zeit hatten. Weil wir uns so ähnlich waren. Weil sie mir so wichtig. Weil ich schon eine Weile vor dem totalen Bruch gespürt habe, dass wir keine Verbindung mehr zueinander haben. Dass wir uns fremd geworden sind. Dass ich nichts mehr von ihr erfahre, dass sie nichts mehr von mir weiß. Feige war ich. Bin ich heute noch.

Doch nicht nur die eine so gute Freundin zog sich zurück, auch ich ließ los. Die eine Freundschaft, die lange vor der Geburt meiner Kinder da war, und die sich nach der Geburt meines Herzensmädchens auf einmal nicht mehr richtig anfühlte. Nicht mehr echt und nicht mehr ehrlich. Die sich leise, aber deutlich sichtbar in Luft auflöste. Weil da zwei Welten aufeinanderprallten – die von mir als frisch gebackene Mama und die der kinderlosen Freundin. Das tat kurz weh, vor allem wenn man eine hormongesteuerte Neu-Mama im Babyglück ist. Aber auch heute, fast 3 Jahre und die Geburt meines Herzensbubs später, bin ich noch enttäuscht, wenn ich daran denke, wie sich diese Freundschaft doch entwickelt hat. Eher, wie sie einfach keine mehr ist. Aber ich verstehe, dass wir vielleicht einfach nicht für immer Teil im Leben des Anderen sein sollten. Und das ist okay.

Ich denke oft darüber nach, ob sich an verloren gegangene Freundschaften so einfach anknüpfen lässt. Ob sich unsere Lebenslinien erneut annähern können. So viel Leben ist doch passiert, so viel Zeit vergangen. Weil die eigene Welt doch scheinbar ganz anders aussieht.

Ich liebe es so sehr Mama zu sein. Ich liebe es aber auch Freundin zu sein. Manchmal kann ich das mit vollem Einsatz, mit voller Energie, manchmal sicher weniger gut. Dann vernebelt mir das Mamasein für kurze Zeit meine Sinne. Um sie dann darauf aber wieder zu schärfen. Und dann hoffe ich auf offene und ehrliche Worte. Zwischen uns beiden. Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Um dass unsere Freundschaft doch bitte unbedingt bleibt.

Eure Kathrin

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